Regeneration im Rhythmus der Regelmäßigkeit – ein Hoch auf den Jubilar!

Am Mittwoch gab es ein denkwürdiges Jubiläum. Der Jubilar? Unser Sonntag als arbeitsfreier Tag! Am 3. März im Jahr 321 entschied Kaiser Konstantin, dass der Sonntag als Feiertag von Arbeit freizuhalten sei. Seit 1700 Jahren ist der Sonntag nun in weiten Teilen unserer Welt ein Feiertag. Allerdings ist dies keine Selbstverständlichkeit; immer wieder war der Sonntag als arbeitsfreier Tag umstritten und umkämpft. So z.B. wandte sich die Französische Revolution gegen alle Feiertage und schaffte damit auch den Sonntag ab. Die Sowjetunion führte 1929 einen eigenen Revolutionskalender ein, der auf der Grundlage einer Fünf-Tage-Woche einen neuen Wochen-Rhythmus hervorbringen und den Sonntag als Ruhetag abschaffen sollte. Dieser Versuch währte allerdings nicht lange, da die Arbeiter die neuen Feiertage gerne annahmen, aber auch an den „alten“ Sonntagen keine Arbeit verrichteten.

Bis heute ist der Sonntag umkämpft. Vielfach wird versucht, diesen Tag als zusätzlichen Produktions-, Verkaufs- oder Lerntag zu nutzen. Dabei wird schnell auf die Wirtschaft geschielt und geschimpft. Allerdings: Die Wirtschaft ist kein selbständiges Subjekt, das mit unsichtbarer Hand agiert, sondern wird von Menschen gemacht. Und manchmal ist es schlicht meine eigene Entscheidung, am Sonntag dies oder jenes zu erledigen. Es geht also darum, den Wert des Sonntags wieder zu entdecken und neu schätzen zu lernen.

In der Heiligen Schrift erfahren wir, dass selbst Gott am siebten Tag ruhte, sich Zeit nahm für eine reflektierende Rückschau und sich an dem erfreute, was er hervorgebracht hat. Damit wird der Ruhetag zum Höhepunkt der Woche – ein Tag des Feierns und der Freude. Der Sonntag hilft uns, unsere Arbeit zu unterbrechen und Abstand zu gewinnen von den Dingen, die uns die ganze Woche beschäftigen und eröffnet einen Freiraum, in dem ich Zeit finde für mich, für Freunde und für Gott. Dies ist in psychologischer Hinsicht hilfreich und gilt in der Resilienzforschung als wichtiger Faktor, die eigenen Widerstandskräfte zu erhalten bzw. wieder zu erlangen. Weil das Unterbrechen der Alltagsgeschäfte und das Loslassen der Alltagssorgen oft nicht leichtfällt, ist es wichtig, seinen Blick auf Gott zu richten und auf das zu schauen, was er mir Gutes tut und nicht nur das zu sehen, was ich leisten muss. Das dafür nötige Gottvertrauen dürfen wir jeden Sonntag neu einüben, und in jedem Gottesdienst erhalten wir heilsame Impulse, um diesen Tag als Gabe und Geschenk Gottes zu begreifen. Er gönnt uns gerne Gutes.

Mit herzlichen Grüßen

Matthäus Wassermann